Klosterführer (1)

Emming – St. Ottilien

St. Ottilien ist uraltes Siedlungsgebiet. Keltische Grabbeigaben, Relikte aus der Römerzeit und Fundamente eines mittelalterlichen Wehrturmes wurden hier gefunden. Der Hof Emming zählte zum Herrschaftsbereich der Grafen von Dießen-Andechs und wurde später an das Ministerialengeschlecht der Gryphonen übertragen, die im nahegelegenen Greifenberg ihren Stammsitz errichteten. Nach dem Aussterben der Greifenberger ging Emming im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit durch zahlreiche Hände. Geistliche und weltliche Herrschaften hatten hier Besitz. Die Wallfahrt zur hl. Ottilia in Emming ist wohl älteren Ursprungs, aber bereits sicher seit 1365 als vielbesuchtes Heiligtum nachgewiesen.

BildIm 16. Jahrhundert wurde Emming zu einem Herrensitz ausgebaut. Im Anschluß an die Ottilienkapelle entstand das kleine Schloß, das, ebenso wie die Ottilienkapelle, im 17. Jahrhundert barockisiert wurde. Verschiedene Familien des geadelten Bürgertums besaßen das Gut in der folgenden Zeit, bis es ab 1851 mehrfach veräußert und schließlich zerstückelt wurde.

1886 erwarb P. Andreas Amrhein OSB das Schlößchen und einen Teil des heruntergekommenen Anwesens, um die von ihm zwei Jahre zuvor in Reichenbach/Opf. gegründete Gemeinschaft der Missionsbenediktiner hier anzusiedeln. 1887 wurde Emming der Hauptsitz der sich rasch vergrößernden Genossenschaft, die neben einer Männergemeinschaft auch einen Schwesternzweig umfaßte. Im alten Emming entstand so das erste Missionshaus auf deutschem Boden.

Der alte Weiler veränderte sich nun rasch. Um den Bedürfnissen zweier rasch wachsender Klostergemeinschaften zu entsprechen, wurden alte Gebäude teilweise abgerissen; selbst das alte Schloß mußte einem Neubau weichen, nur der barocke Rittersaal blieb verschont. Auch die Landwirtschaft wurde intensiviert. Das Moor im Süden des Klosters und der Geltendorfer Weiher wurden trockengelegt und in Ackerland verwandelt. Neue Zufahrtswege und eine Eisenbahnhaltestelle machten den Ort zugänglicher, für den die Benediktiner den Ortsnamen »St. Ottilien« einführten. Rings um die neue Abteikirche mit ihrem beherrschenden Turm entstand so rasch ein Klosterdorf, das mit Mönchen, Schwestern, Schülern, Lehrlingen, Arbeitern und Gästen an die 600 Einwohner zählte.

Dieses Klosterdorf besteht bis heute. St. Ottilien ist eine Erzabtei des Benediktinerordens, das Stammhaus der weltweit tätigen Missionsbenediktiner von St. Ottilien. Zum Kloster gehören etwa 130 Mönche, von denen ungefähr 20 im Missionseinsatz in Übersee stehen. Sie leben nach der Ordensregel, die der hl. Benedikt von Nursia um 529 im mittelitalienischen Montecassino verfaßt hat. Im Zentrum dieser Regel steht das gemeinsame Chorgebet der Mönche, zu dem sich die Klostergemeinschaft mehrmals täglich in der Abteikirche versammelt.

weiter >>