Klosterführer (16)

Friedhof

BildDie Emminger Toten wurden früher bei der Pfarrkirche St. Ulrich im benachbarten Eresing beigesetzt. 1890 legte das Kloster dann an der Stelle des »Kalvarienberges« einen Friedhof an. Bei den Ausschachtungsarbeiten fanden sich Grabbeigaben aus der La-Tène-Zeit, das Friedhofsgelände hatte also schon den Kelten in vorchristlicher Zeit als Grablege gedient. Auf der Kuppe des Hügels wurde in den dreißiger Jahren ein monumentales Gedenkkreuz errichtet, zu dessen Füßen der Klostergründer P. Andreas Amrhein († 1927) seine letzte Ruhestätte fand. Auf drei Terrassen wurden Mönche und Schwestern des Klosters, Oblaten, Arbeiter sowie gelegentlich Wohltäter und Angehörige der Mönche beigesetzt. Während des 1. Weltkrieges wurden 15 Soldaten im Südosten des Friedhofs beerdigt, die im Klosterlazarett ihren Verwundungen erlegen waren.

Im 2. Weltkrieg diente das Kloster wiederum als Lazarett. Insgesamt wurden 77 Soldaten auf dem Klosterfriedhof beerdigt. Mehrere deutschstämmige Rücksiedler aus der Bukowina liegen ebenfalls hier. Ein Gedenkstein neben der kleinen Herrgottskapelle im Südwesten des Friedhofs erinnert an 17 Russen aus dem deutschen Heer, die am 27. April 1945 bei Eresing durch Tiefflieger umkamen.

BildAm gleichen Tag wurde ein auf offener Strecke abgestellter Zug mit KZ-Häftlingen bei Schwabhausen bombardiert. Überlebende Verletzte konnten sich zum Lazarett nach St. Ottilien durchschlagen, das unter amerikanischer Aufsicht zu einem Hospital für »Displaced Persons«, d.h. ehemalige KZ-Häftlinge, wurde. Bis 1948 existierte dieses Hospital in St. Ottilien. Die Patienten, die an den durch die Bombardierung erlittenen Verletzungen oder infolge der jahrelangen Haftentbehrungen im Hospital starben, wurden in einem eigenen Teil des Friedhofs beigesetzt. Bis 1948, als das Hospital aufgelöst wurde, verzeichnet das Gräberbuch 76 Beerdigungen für den Judenfriedhof. Angehörige ließen später einige Grabsteine errichten, die heute noch von Nachfahren besucht werden. Aufgelegte Steine bezeugen nach jüdischem Brauch das Gebetsgedenken. Der jüdische Friedhof steht unter der Verwaltung der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung.

Der Klosterfriedhof dient weiterhin als letzter Ruheplatz der verstorbenen Mönche. In neuerer Zeit wurden in der Klosterschmiede Grabkreuze angefertigt, die häufig einen verschlüsselten Hinweis auf die Tätigkeiten und Lebensschicksale der Toten enthalten, etwa Zunftzeichen, oder Palmzweige als Hinweis auf einen Einsatz in Afrika.

Damit in allem Gott verherrlicht werde.

<< zurück