Der Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi

Prof. Norbert Düchtel(Orgel)
Hermann Lahm (Moderation)

Wir betteln meistens in unseren Gebeten um Gesundheit, um gute Freunde, um gute Noten, um lange Ferien und um was sonst noch alles. Wann loben wir eigentlich unseren Gott, unseren Vater, unseren Heiland? Die schönsten zwei Lobgebete für Gott, die wir kennen, sind das Magnifikat und der Sonnengsang. Der Sonnengesang stammt vom hl. Franziskus aus Assisi. Man sagt, er sei der Mensch, der auf Erden Jesus schon am nächsten kam. Er war aus reichem Hause und hatte eine blendende Zukunft vor sich. In einem Kampf gegen die Nachbarstadt wurde er gefangen genommen und ins Gefängnis gesperrt. Dort überdachte er seinen bisherigen aufwändigen Lebensweg in großer Pracht und entschloss sich zu einer radikalen Änderung. Er wollte Jesus in aller Einfachheit nachfolgen. Dazu scharte er auch Gleichgesinnte um sich und gründete später den Orden der Franziskaner. Der hl. Franziskus hat den „Sonnengesang“ als ein ganz großes und ergreifendes Lob-Gebet an Gott und seine Schöpfung geschrieben. Der Sonnengesang ist der bekannteste Text des „Troubadours aus Assisi“ und zählt aufgrund seiner dichterischen Gestalt und seines Inhalts zur Weltliteratur. Er entstand in altitalienischer Sprache im Winter 1224/25, als Franziskus krank in einer Hütte bei San Damiano lag. Nach späteren Quellen fügte Franziskus die Friedensstrophe hinzu, um einen Streit zwischen dem Bischof und dem Bürgermeister von Assisi zu schlichten. Die Strophe über „Bruder Tod“ verfasste er, als er selbst dem Tode nahe war. Das Gebet ist nicht nur eine Hymne auf Gottes gute Schöpfung, sondern fordert uns auch heraus in unserem Verhalten speziell zur Welt. Zur Welt - das heißt zu unserer Erde mit ihren Geschöpfen, mit Wind, Wasser, Feuer, aber auch in der Annahme von Krankheit und Sterben – und davor ist niemand verschont, von Jung bis Alt. Der Hymnus fordert von uns Menschen auch Verzeihen, gegenseitiges Ertragen und Frieden. Wir wollen den Sonnengesang nicht nur gemeinsam singen (z.B. in einer Übersetzung und Kurzfassung: Laudato si), sondern uns auch fragen und Lösungen suchen, was wir aus dem Sonnengesang lernen können. Hermann Lahm wird uns dabei helfen –. Norbert Düchtel spielt uns dazu passende Orgelstücke aus der großen Orgelliteratur. Für Franziskus sind Sonne, Mond, Sterne, Wind, Feuer usw. Brüder und Schwestern. Sie gehören zu uns wie eine große Familie. Ist das nicht bewundernswert, wie Franziskus Gottes Schöpfung liebevoll annimmt und für den Lobgesang Gottes deutet? Jetzt verstehen wir auch besser, warum unser jetziger Papst für sich den Namen Franziskus gewählt hat. Er will - wie der hl. Franziskus – alle Menschen als Gottes Schöpfung liebevoll annehmen, sich um sie kümmern, ihr irdischer Hirte hier auf Erden sein - in aller Einfachheit im Leben und in seinen treffenden Worten.

Veranstaltungsdatum
03.10.2020 - 14:00