St. Ottilien im Dialog

Der Lechrain als Landschaft erstreckt sich als bis zu 20 km breiter Streifen zwischen Friedberg und dem Ammergebirge am Ostufer des Lechs. Bereits der Name verdeutlicht die alte Grenzfunktion dieser Region zwischen Baiern und Schwaben: althochdeutsch „Rain“ bedeutet „Grenze“, „Waldrand“, Flurstücksrand“. Der Ausdruck „Lechrayner” (latinisiert „Lycatii”) taucht erstmals 1550 in der Cosmographie des Sebastian Münzer als Bezeichnung für die Bevölkerung zwischen Lech, Ammer und Amper auf. Schon damals muss also die Besonderheit dieser Grenzgegend hinsichtlich Sprache und Gebräuchen augenfällig gewesen sein. Bis heute ist die Bevölkerung Träger eines speziellen „lechrainischen” Bewusstseins. So führen zahlreiche Vereine, aber auch kulturelle Einrichtungen und Firmen den Lechrain in ihrem Namen. Trotz des schleichenden Rückzugs regionaler Eigenheiten in Sprache und Kultur wird der Lechrain weiterhin als kulturell und historisch eigengeprägte Landschaft wahrgenommen. Einige greifbare Indizien weisen auf das immer noch mithin vorhandene Identitätsbewußtsein der Lechrainer hin: Eines der augen- bzw. ohrenfälligsten davon ist der Dialekt. Er bedient sich bis heute eines beeindruckenden Bestands an alt- und mittelhochdeutschen Relikten. Dass diese so lange und in solcher Zahl erhalten geblieben sind liegt sicher auch an der Grenz- und Barriereneigenschaft des Lechs. Er war bis in jüngere Zeit ein Hindernis für Verkehr und Handel, aber auch für die mentalen Beziehungen, besonders diejenigen ins Schwäbische, das ja bis zum Jahr 1803 buchstäbliches Ausland war. Für viele war der Lech das Ende der bekannten Welt, deren Grenzen nach Westen nur an wenigen Stellen überschritten werden konnten. In der Familie von Martin Wölzmüller spielt die Musik eine große Rolle. Die erweiterte Verwandtschaft könnte mühelos eine komplett besetzte Blaskapelle zusammenbringen. Aber auch die Rockmusik, vornehmlich die aus der Jugendzeit des Referenten, sowie Folkmusik und Liedermacher haben diese familiäre Leidenschaft geprägt. Das Stichwort dazu könnte lauten: „Nicht immer perfekt, aber allzeit mit großer Lust!“. Es lag deshalb nahe, dass der Vortragende seine Musiker selbst mitbringt. Zu Gehör kommen Lieder mit kabarettistischen Texten zum Themenkreis Heimat und zum Leben auf dem Land.

Veranstaltungsdatum
24.03.2019 - 15:30