Wer nur den lieben Gott lässt walten

KonzertDuo La Vigna – Theresia Stahl (Blockflöten), Christian Stahl (Laute/Theorbe) Um das Jahr 1600 lebte bei Königsgrätz ein einfacher Bauer. Er gehörte dem reformierten Glauben an. Der große Ketzerbekehrer und Jesuit Adam Krawarsky lies ihn auf der Burg Hradek im tiefsten Keller unter Hunger, Durst und Unreinheiten leiden. Einige Male liessen ihn die Jesuiten durch den Torwächter peitschen. Ein letztes Mal, als man ihn wieder einmal hervorholen wollte, konnte er vor Schwachheit nicht stehen und reden: Er war nur noch imstande, ein Gebet zu murmeln und verschied, standhaft zu seinem Glauben haltend. Wesentlich glimpflicher kam Johann Sebastian Bach davon. Pietisten und Reformierte bezeichneten seine Musik als "fleischlich", "luxuriös" und "sinnlich". Manche Kritiker warnten, sie führte zu "teuflischer Versuchung". Nach seinem Tod verzichtete der Rat der Stadt Leipzig auf einen Nachruf zu Ehren des umstrittenen Komponisten. Dabei war sich Bach mit Luther einig, daß „die Musica“ ein „herrlich und göttlich Geschenck und Gabe“ sei: "Mit aller Musik soll Gott geehrt und die Menschen erfreut werden“. Selbst Friedrich Nietzsche schrieb, er hätte "in dieser Woche [...] dreimal die Matthäuspassion des göttlichen Bach gehört, jedes Mal mit dem Gefühl der unermesslichen Verwunderung. Wer das Christentum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium." Die katholische Künstlerin Theresia Stahl ist eine direkte Nachfahrin jenes böhmischen Bauern. In Bachs Choralvertonung „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ sieht sie dessen Glaubensauffassung besonders authentisch dargestellt: er hat wirklich Gottvertrauen, er hat auch seine persönlichen Schicksalsschläge mit seinem Gottvertrauen überhaupt verdauen können. Das Programm des Duos La Vigna „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ stellt Bachs von der Grundstimmung her religiöse Musik seinen teils sehr ausdrucksvollen Vorgängern und Vorbildern Vivaldi, Corelli, Dieupart oder Uccellini gegenüber. Diese sind nicht nur Schuld an seinem expressiven Stil, sondern obendrein: allesamt katholisch!

www.duolavigna.de

Veranstaltungsdatum
01.09.2019 - 15:30