„Grabmusik“ – KV 42 (35a)

Mozart Akademie Ensemble

Die hier vorgelegte Edition der Grabmusik KV 42 von Mozart stellt die Erstausgabe der vollständigen auf den Eigenschriften Mozarts basierenden Originalversion des Werkes dar. Im Gegensatz zur Ausgabe der Grabmusik im Rahmen der NMA(1957), wo noch Zweifel an der Zugehörigkeit des Schlusschores „Jesu wahrer Gottessohn“ zu KV 42 geäußert wurden, erlaubt die aktuelle Quellenlage jetzt nicht nur die eindeutige Zuordnung dieses Satzes zur Grabmusik, sondern auch die Richtigstellung der Besetzung mit der erstmaligen Veröffentlichung der beiden Hornstimmen in der vorliegenden Ausgabe, die von der Abschrift abweicht, die der NMA als Quelle zugrunde lag.

Als die Mozarts am 29. November 1766 wieder in Salzburg ankamen, hatten sie eine Reise von mehreren tausend Meilen quer durch Westeuropa hinter sich, die an die dreiein halb Jahre gedauert hatte. Bei der Abreise war Wolfgang kaum siebeneinhalb Jahre alt gewesen, bei der Ankunft war er schon fast elf. Und wie sich zeigen sollte, war auch dieser Aufenthalt in Salzburg in Wirklichkeit nur eine Station, von der aus die ganze Familie nach achteinhalb Monaten erneut aufbrach, dieses Mal nach Wien, Brünn und Olmütz; diese Abwesenheit von Salzburg sollte nochmals fünfzehn Monate dauern.

Der – gemessen an den langen Reisen – relativ kurze Aufenthalt in Salzburg 1766/67 war für den jungen Mozart angesichts der Menge der Werke, die er in dieser Zeit komponierte, wohl kaum eine Erholungspause: Zu nennen sind hier etwa die sog. Epistelsonaten KV 67, 68 und 69, Sinfonien und seine ersten Gehversuche auf dem Gebiet des Klavierkonzerts Über die Entstehungs und Uraufführungsumstände der Grabmusik von Mozart ist nicht mehr bekannt, als dass auch sie in der Zeit des „Zwischenaufenthalts “in Salzburg, wohl für die Karwoche 1767, entstanden ist. Als einigermaßen gesichert kann gelten, dass Mozart die Kantate für die Anbetung des Heiligen Grabes (daher „Grabmusik“) am Karfreitag komponiert hat. Darstellungen des Heiligen Grabes bzw Heiligen Grabkapelle finden sich noch heute in oder auch an Kirchen der katholischen Regionen Süddeutschlands und Österreichs.

Am Abend des Karfreitags rückten diese Heiliggrabdarstellungen in besonderer Weise in den Mittelpunkt der stillen Anbetung und Andacht. An manchen Orten wurde der Grabesruhe Christi in Kantaten und allegorischen Oratorien (mitunter sogar in szenischer Gestaltung) gedacht. An der Wiener Hofkapelle entwickelte sich im Barock sogar ein eigener Oratorientyp für diese Gelegenheiten, das sog. Sepolcro, zu dem u. a. Johann Joseph Fux und Antonio Caldara hochrangige Beiträge lieferten.

Es ist nicht bekannt, ob Mozarts Grabmusik am Karfreitag im Salzburger Dom oder in einer anderen Salzburger Kirche aufgeführt wurde. Sicher ist aber, dass das Werk eindeutig in der Tradition der Sepolcri wurzelt, auch wenn der Text im Gegensatz zur Wiener Tradition nicht italienisch, sondern deutsch ist. Der Textdichter wird in keiner der beiden Quellen genannt. Diskutiert werden P. Marian Wimmer, Johann Andreas Schachtner oder auch Ignaz Anton Weiser, die alle dem unmittelbaren persönlichen Umfeld der Mozarts in Salzburg angehörten. In Leopold Mozarts Verzeichnis der Jugendwerke seines Sohnes aus dem Jahr 1768 erscheint die Grabmusik als „Eine Cantate zum hl. Grab Christi, von 2 singenden Personen mit 2 Arien, Recitat: und Duetto.“Der Schlusschor wird hier noch nicht erwähnt. In der Tat ist das Werk in seiner endgültigen Fassung in zwei Teilen überliefert; der Chor mit dem einleitenden Rezitativ wurde wahrscheinlich erst 1772 oder sogar noch später komponiert.

Veranstaltungsdatum
22.03.2020 - 15:30