„Melodien für die russische Seele“

mit Werken von Michail Glinka, Nikoli A. Rimski-Korsakov, Modest P. Mussorgski, Piotr I. Tchaikovsky, Sergej W. Rachmaninov

Olga Papikian – Sopran
Klavier Simon Nádasi – Klavier

„Ich glaube, das wichtigste, das wesentlichste geistige Bedürfnis des russischen Volkes ist das Bedürfnis, immer und unaufhörlich, überall und in allem zu leiden. Mit diesem Lechzen nach Leid scheint es von jeher infiziert zu sein.  Der Strom der Leiden flisst durch seine ganze Geschichte, er kommt nicht nur von äußeren Schicksalsschlägen, sondern entspringt der Tiefe des Volksherzens. Das russische Volk findet in seinem Leiden gleichsam Genuss.“ Kein Geringerer als Fjodor Dostojewski brachte 1873 in seinem „Tagebuch eines Schriftstellers“ diese merkwürdige Charaktereigenschaft seiner Landsleute auf den Punkt. Die Lust der Russen am Unglücklich-Sein hat er immer wieder zum Thema seiner Romane gemacht. Der russische Philosoph Nikolai Berdjajew hat sich in seinen Schriften intensiv mit der Geisteshaltung seiner Landsleute auseinandergesetzt. Er kam zu dem Schluss: „Das historische Los des russischen Volkes war unglücklich und reich an Leiden. Seine Geschichte ist erfüllt von Erschütterungen, Katastrophen und plötzlichen Wandlungen im Grundcharakter der dem Land eigenen Zivilisation.“ Der historische Kontext eines Volkes prägt nachhaltig die Kultur und die seelische Verfasstheit der Menschen einer Zivilisation. Mindestens eine ebenso so große Rolle spielt die Frage der Rückbindung, der Religion, nach dem, was den einzelnen Menschen und die Mitmenschen im gestern und heute sein lässt. Worauf baut unsere Zuversicht auf ein Leben in Frieden für uns und die kommenden Generationen. Der Glaube an die barmherzige Liebe eines Gottes, der immer für uns da sein wird, die Kraftquelle für das Miteinander der Menschen ist, fußt auf der uralten Tradition des christlichen Glaubens der orthodoxen Kirche. Die Brüder Cyrill und Methodius waren die Botschafter der Liebe Gottes im gekreuzigten und auferstandenen Sohn Jesus Christus. Dieses starke Band der Religion hat sicherlich historische und geografische Gründe, die selbst die lange Zeit der Sowjetherrschaft nicht auslöschen konnte. Das zentrale Geheimnis unseres Glaubens ist die österliche Verwandlung. „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …“. Der Frühling ist die Zeit der Verwandlung der Natur und von uns selbst. Finsternis und Kälte verwandeln sich in der Kraft der Liebe und des Glaubens an sie in Licht und Wärme. Das soll allenthalben zu spüren sein. Das Konzert findet eine Woche nach Ostern am „Weißen Sonntag“ statt. Sonntags feiern wir Ostern. Und Ostern geschieht im Alltag. Tränen führen zum Heil, zertrennende Unterschiede werden aufgehoben in die Gemeinschaft Jesu Christi, verlorenes Leben wird neu geschenkt.
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Veranstaltungsdatum
19.04.2020 - 15:30