Als die Angst die Seite wechselte


Die Macht der verbotenen Bilder
Siegbert Schefke – Der Bilderschmuggler
von 1989
Siegbert Schefke
Seine Bilder gingen um die Welt: Im Herbst 1989 trickst
der DDR-Bürgerrechtler und Regimekritiker Siegbert
Schefke gemeinsam mit dem Fotografen Aram Radomski die
Stasi aus und filmt heimlich die Montagsdemonstrationen
in Leipzig. Die Filme spielt der Mitbegründer der DDR-Umweltbibliothek
westlichen Medien zu, so auch am 9. Oktober,
als mehr als 70 000 Menschen durch Leipzig ziehen. Einen
Tag später werden diese Bilder in den ARD-Tagesthemen
ausgestrahlt. Damit sehen erstmals auch Millionen
DDR-Bürger, was in ihrem Land vor sich geht und was ihnen
die SED-Führung unter Erich Honecker verheimlicht.
Nach der Wende wird Schefke für seinen Mut und seine
Verdienste um die deutsche Einheit mehrfach ausgezeichnet,
unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem
Bambi. Heute lebt und arbeitet der ursprünglich aus Brandenburg
stammende Fernsehjournalist in Leipzig.
30 Jahre nach dem Mauerfall hat Siegbert Schefke nun
seine Geschichte aufgeschrieben. In dem im Berliner Transit
Verlag erschienenen, von Maren Martell herausgegebenen
Buch "Als die Angst die Seite wechselte - Die Macht der
verbotenen Bilder" schreibt er nicht nur über die spannenden
Ereignisse im Herbst 1989. Er erzählt auch wie aus
einem Eberswalder Maurersohn ein dezidierter Kritiker des
DDR-Regimes wurde, der nicht mehr auf eine Reform der
DDR hoffte, sondern einen radikalen demokratischen Umbruch
wollte und diesen mit sehr riskanten Aktionen mit in
die Wege leitete. Siegbert Schefke: "Niemals wieder möchte
ich von einem Staat gezwungen werden, mich vollkommener
Presse-, Reise- und Meinungskontrolle unterwerfen zu
müssen. Damit stempelt er nicht nur die Bürger unmündig,
sondern schränkt sie in ihrer persönlichen Entwicklung und
Freiheit massiv ein."
Siegberts Schefkes Blick richtet sich aber auch auf die
Zeit nach 1989 bis Heute. Für den MDR berichtet er als
Fernsehjournalist über die Pegida- und Legida-Demonstrationen
sowie die rechten Aufmärsche in Chemnitz. In
seinem Buch zieht er Schlüsse und wirft Fragen auf. "Mich
beschäftigt die Frage: Haben im Osten unseres Landes zu
viele die Demokratie nie gelernt oder begriffen? Klar waren
nicht alle `Rechte`und auch nicht Nazis, sagten Tage später
einige Chemitzer. Aber welcher einigermaßen klar denkender
Mensch steht länger als eine Sekunde neben einem, der
den Arm zum Hitlergruß hebt? "
Siegbert Schefkes Buch enthält viele Fotos aus der Wende-
Zeit und davor sowie Auszüge seiner Stasi-Akte und anderen
DDR-Dokumenten. Über QR-Codes kann man Filme
über ihn sowie die Original-Filmaufnahmen der Leipziger
Montagsdemo abrufen.
https://www.siegbert-schefke.de/

Veranstaltungsdatum
07.11.2021 - 15:30