ENTFÄLLT - „DU GELOBTE” - Zugänge aus Dichtung, Musik und Narretei

Zugänge aus Dichtung, Musik und Narretei

Barockensemble „Il suono barocco“

Franziska Ball, Texte
Doris Döbereiner, Blockflöten
Michael Popp, Saiteninstrumente
Peter Gerhartz, Orgel und Synthesizer

Mit Werken von: Georg Philipp Telemann,
Arcangelo Corelli, Giovanni Battista Sammartini u.a.

Hintergrund
Die Zeit von 1600 bis 1750 bildet in der Musikgeschichte
eine zusammenhängende Stilepoche, das Barock.
Das Weltbild dieser Epoche ist rational und harmonisch
geordnet. Das spielgelt sich auch in der Musik: in der spekulativen
Zahlensymbolik, in Harmonie und Rhythmus, sowie einer
Tendenz zum Einfachen und Natürlichen. Wie die barocke
Kunst Menschen darstellt, so drückt die Barockmusik deren
Affekte und Gefühle aus.

Der Künstler war jedoch immer Weltbürger und neugierig
auf das Schaffen der anderen. So war man am französischen
Hof begeistert von den feurigen Kompositionen des Italieners
Corelli. Die Kompositionen des deutschen Telemann sprechen
eindeutig eine französische Sprache.

Trotzdem war die Kritik der zahlreichen Autoren des
18. Jahrhunderts gross und sie behaupteten: “nie könne ein
Italiener französische Musik und nie ein Franzose italienische
Musik richtig spielen“.

So schreibt der Franzose J.J.Rousseau „….Wohingegen die
Italiener, obwohl sie die Töne unserer pathetischen Arien sehr
genau sangen, in diese dennoch weder Phrase noch Melodie
entdecken konnten; für sie war dies Musik, die keinen Sinn
ergab…..“.

Noch gnadenloser als Rousseau drückt sich C.F.D.Schubart
über die Franzosen aus: „....der Franzose winselt in weibischen
Tönen, der Deutsche schreitet daher in männlichen; der
Deutsche denkt und handelt, der Franzmann handelt viel, aber
denkt nicht so viel; der Deutsche ist kalt und tief raffinierend,
der Franke glitscht an der Oberfläche ab“. Harte Worte des
Deutschen!

Aber auch der Italiener Corelli hat so seine Schwierigkeiten
mit der französischen Musik. So „gestund er offenherzig“
gegenüber dem jungen Händel: „ Aber, mein lieber Sachse,
diese eure Musik ist nach dem französischen Stil eingerichtet,
darauf ich mich gar nicht verstehe“.
War die Kritik damals unter den Künstlern gross, so findet
Schubart doch versöhnliche Worte, welche in jedem Fall ihre
Gültigkeit haben: „Frankreich goutiert, Deutschland empfindet,
Welschland schmückt“.

Wenn ein Grossmeister wie J.S.Bach unter seine Werke
„Soli Deo Gloria“ schreibt, was im übertragenen Sinn auch
so viel heissen mag wie - Zur Freude des Menschen - so kann
man sagen, dass genau das barocke Musik bewirkt.

www.doris-doebereiner.de

Veranstaltungsdatum
23.01.2022 - 15:30