Am 3. März 2026 verstarb im hohen Alter der uns seit vielen Jahren sehr verbundene
Akademieprofessor Franz Bernhard Weißhaar. Er hatte von 1978-2000 an der Akademie der
Bildenden Künste in München den Lehrstuhl „Christliche Kunst – farbliches und räumliches
Gestalten, insbesondere an Kulträumen“ inne und wirkte mit ausgewiesener Expertise bei
zahlreichen Konservierungsmaßnahmen, künstlerischen Neuordnungen und Neugestaltungen
an sakralen Gebäuden mit.
Da Professor Weißhaar in prägender Weise Spuren an der künstlerischen Ausgestaltung von St. Ottilien hinterlassen hat, soll ihm anlässlich seines Todes eine Würdigung und Danksagung zugeeignet sein.
Als für die Erzabtei herausragend ist zunächst die künstlerische Neuordnung und
Konservierung unserer Abteikirche in den Jahren 1992-1994 zu nennen. Mit einer
Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitbrüdern, die als Handwerksmeister verschiedene
Klosterwerkstätten leiteten, sowie mit Pater Claudius Bals, Pater Walter Sedlmeier und seiner
Gemahlin, Frau Dr. Weißhaar-Kiem, entwickelte Prof. Weißhaar als künstlerischer Leiter
Konzepte und umfangreiche Detailplanungen zunächst für die Innenrenovierung unserer
Abteikirche. Entscheidend war dabei die Rückführung des Baldachins an seine ursprüngliche
Stelle und die damit verbundene Konzipierung einer Altarzone zentral in der Vierung. Die
Errichtung des neuen Hauptaltars ermöglichte, Ambo und Osterleuchter, die vier
Inschriftenplatten im Bodenbelag und die unter der Altarmensa aufgestellten Reliquien und
Altarfiguren mit starker theologischer Aussagekraft auf den Altar zentriert auszurichten. Dem
entsprechend wurden das historische Chorgestühl sowie die von ihm entworfenen Sedilien,
Bänke des Ostchores und der Emporen neu angeordnet.
Prof. Weißhaar entwarf den Sibyllen- und Prophetenzyklus im Mittelgang des Kirchenschiffes und schuf das Fresco-Secco im Tympanon des Hauptportales. Er gestaltete mit S. Oehl den Marienaltar, mit S. Nagacevschi die Ausmalung der Kreuzwegkapelle und die Orgelprospekte, die Bekrönungsfiguren von F. Hämmerle zieren. Für den von Architekt Erwin Frey konzipierten neuen Eingangsbereich der Klosterkirche, bestehend aus Atrium, Totenhaus und Versöhnungskapelle mit Beichtgesprächszimmern, plante er die Innenausstattung. Für letztere entwickelte Prof. Weißhaar 2013/2014 sowohl die Pläne als auch die Farbfassung für das Buntglasfenster „Jordanaue“. Ein Jahr später entwarf er die Wasserspeier für das Dach des Vorzeichens am Kirchenportal.
2016 schuf er in der Ottilienkapelle die Gedenktafel zur Erinnerung an die erste
Missionsaussendung. Für die neu gegossene Märtyrer-Glocke entwarf er 2018/2019 die
Glockenzier und prägte im Rahmen der Turmsanierung 2019 die neue Urkunde auf
Kupferfolie für die Kapsel im Turmknauf. Prof. Weißhaar war darüber hinaus – oft mit seiner
Frau - auch Berater und Mitgestalter, etwa für die behutsame Auffrischung des Kapitelsaals
(1995), die Neugestaltung des Hauptraumes der Klosterbibliothek (ab 1995) und die
Außenrenovierung des Kloster-Altbaus (1999). Für Jeremias Schröder OSB entwarf er im
Jahr 2000 das Abtswappen und zu dessen Wahl zum Abtpräses 2013 das Präses-Wappen
sowie ein neues Wappen für die Kongregation. Für Wolfgang Öxler OSB zeichnete er
ebenfalls das Erzabt-Wappen und entwarf 2015 das Pilgersiegel für St. Ottilien.
„Im Öffentlich-Machen der Tiefendimension der Welt- Wirklichkeit liegt die urreligiöse Kraft der Kunst.“
Diesen programmatischen Satz drückte Professor Weißhaar bei seiner Verabschiedung von der Akademie der Bildenden Künste in München am 3. März 2000 seinen Schülerinnen und Schülern als tiefen Wunsch und nachhaltige Hoffnung aus. Zum gleichen Tag, 26 Jahre später, verstarb Franz Bernhard Weißhaar. So deuten wir diesen Wunsch als eines seiner persönlichen Vermächtnisse. Sein künstlerisches Wirken in St. Ottilien ist uns bedeutendes Erbe und wegweisender Auftrag zugleich.
Verfasser: Br. David Gantner OSB
Die Festschrift zum 85. Geburtstag von Prof. Weißhaar kann hier als pdf Datei heruntergalden werden.